Archäologie- Was ist das eigentlich?

Wie ihr bereits in Folge 2 unseres Podcast hören konntet, studiere ich Archäologie. Viele von euch werden sicher wissen, um was es sich da handelt, aber ich muss mir dennoch immer wieder die Frage anhören: „Und schon einen Dinosaurier gefunden?“ Meine Antwort ist dann meist ein nettes Lächeln und ein bestimmtes: „Nein, das graben Paläontologen aus“.

Deswegen habe ich mir überlegt, schreibe ich mal einen kleinen Text, um mit Klischees und Vorurteilen etwas aufzuräumen und die Archäologie aus meiner Sicht zu zeigen.

Das Wort Archäologie kommt, wie so viele Wörter mit dem Ende Logos, aus dem griechischen. Es setzt sich aus archaios und Logos zusammen, was so viel heißt wie: die Lehre von den Altertümern oder Anfängen. Unter Altertümern und Anfängen verstehen wir alles ab dem ersten nachweislichen Menschen. Deswegen beschäftigt sich auch ein Archäologe mit den Hinterlassenschaften eines Menschen, zudem eben Festungen, Paläste, Häuser, Kleidung, Waffen, Keramik und so weiter zählen.

Die Geschichte der Archäologie hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt. War es am Anfang noch vor allem eine Art Schatzsuche, um die Museen Europas mit exotischen Gegenständen zufüllen, ist sie heute eine Wissenschaft mit vielseitigen Möglichkeiten zum erforschen des Menschen und seinem Umfeld. Es geht nicht mehr darum möglichst viel Gold und Reichtümer zu finden, sondern eher zu verstehen, wie der Mensch damals gelebt hat, was er getragen hat, wie und womit er gekocht hat und was auf den Tisch kam.

Wie sahen aber nun die Anfänge der Archäologie aus?

Diese Disziplin, die man auch als erweiterten Arm der Geschichte verstehen kann, begann schon in der Renaissance. Wie ihr vielleicht noch aus dem Geschichteunterricht wisst, wurde hier die Antike wiederentdeckt. Man fing an die Statuen der antiken Griechen und Römer zusammenzutragen und in die uns heute bekanntesten Museen wie dem Louvre, the British Museum und dem Pergamon in Berlin auszustellen. Des Weiteren gab es Gelehrte, die durch die Welt reisten und verschiedene Stätte, wie etwa die Pyramiden, zeichneten. Erst mit Johann Joachim Winkelmann im 18. Jahrhundert begann die Archäologie sich zu dem zu entwickeln, wie wir sie heute kennen. Er war einer der ersten Begründer der sogenannten klassischen Archäologie, welche sich mit Griechen und Römern beschäftigte. Zudem war es sein Verdienst, dass der erste Lehrstuhl für Archäologie an einer Universität eingerichtet wurde.

Die Begründer der modernen Archäologie, die den Grundsatz einführten, dass kein Fund zu unbedeutend sei, waren Jefferson und Pitt-Rivers. Diese sorgten dann ab dem 20 Jahrhundert dafür, dass die heutigen Grabungsmethoden auch im Gesetzt verankert wurden.

Natürlich komme ich um eine Person nicht herum, der sich im Lauf der Geschichte einen Namen gemacht hat, Heinrich Schliemann. Ich muss euch enttäuschen, er ist kein richtiger Archäologe, sondern war ein Geschäftsmann, der damals die Chance ergriff, die berühmte Stadt Troja auszugraben. Die Methoden, die er damals anwandte, sind heute unvorstellbar, aber ohne ihn würde es die Archäologie in Deutschland so nicht geben. Mit dem Fund der goldenen Maske des Agamemnon hat Schliemann die Abenteuerlust in vieler anderen Wissenschaftler geweckt.

Wie aber sieht die Archäologie heute aus?

Die Zeiten, in denen man einfach so in den exotischen Orient reisen konnte, wenn man denn das nötige Kleingeld hatte, sind eindeutig vorbei. Das Studium und generell der Beruf haben schon lange nichts mehr mit großartigen Abenteuern zu tun. Außer wenn man irgendwo hin ans andere Ende reist, um dort eine Fundstätte auszugraben, das ist immer wieder etwas Spannendes.

Heutzutage sitzen Archäologinnen und Archäologen mehr hinterm Computer, um die Funde und Befunde einer Ausgrabung auf zu arbeiten, wie wir das nennen. Sprich, man zeichnet die Pläne, die man von der Grabung gemacht hat, am Computer. Dafür wurden die Punkte mit einem so genannten Tachymeter oder Nivelliergerät vor Ort eingemessen und dann in den Computer überspielt, mithilfe von Fotos kann man dann einen Plan erstellen. Da man aber hier oft nicht immer die einzelnen Erdschichten gut erkennen kann, werden diese nochmals in andere Farben umgezeichnet. Die Funde, die auf der Grabung eingesammelt werden, sind dann zu waschen und, je nachdem ob Metall dabei ist, in die Restaurierung zu bringen, um sie vor dem Zerfall zu schützen. Danach schaut man sich Literatur an, ob bereits jemand anderes eine ähnliche Grabung mit diesen, beispielsweise Häusern und deren Funden hatte. Dann gilt es, dies alles in einem Bericht zu fassen. Je nachdem wo man gegraben hat, gelten die dortigen Gesetzte und Bestimmungen, in der Regel ist es aber üblich, einen kleinen Bericht zu veröffentlichen. Dies wäre jetzt eine Art „klassische“ Grabung, bei der man drei Wochen unterwegs ist und dann ausgräbt. Es gibt aber noch andere Methoden, um nicht graben zu müssen und oft kann es sein, dass dies gar nicht möglich ist, dies ist aber ein Artikel für ein ander Mal.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die Archäologie geben, natürlich könnte man darüber noch mehr schreiben. Sollte euch der Artikel gefallen haben, dann schreibt es mir gerne und wenn ihr noch weitere Fragen habt, seid nicht zu scheu diese zu stellen! Es werden natürlich weitere Artikel dieser Art folgen!

Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal,

eure Angi

Quellen:

J. Cooke- D. Heidenstam- C. Maynard, Tessloff Wissen- Archäologie- Bd. 10 (Hamburg 1977)

C. Renfrew, Basiswissen Archäologie- Theorien- Methoden und Praxis (Mainz 2009)

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